Umkehr-Weg

Gemeinsam gehen wir wieder auf das Weihnachtsfest zu. Der Weg dort hin bedeutet für mich ruhig werden, in die Stille tauchen, umkehren auf dem Weg und in Gottes Hand fallen.
Gerne möchte ich Euch einladen zur Stille im Licht des Wintermorgens. Umkehren auf dem Weg, wie könnte das aussehen? Ich beginne mit einer Kurzgeschichte von Michael Augustin, gefunden im Sammelband von Franz Hohler, 113 einseitige Geschichten:

Ein Irrtum
 um kurz nach sieben in der Frühe wird der gesamte Berufsverkehr zurückgepfiffen. Auf dem Weg zur Arbeit höre ich es, im Autoradio: «Ein Irrtum ist unterlaufen!», sagt der Moderator, «bitte begeben Sie sich auf der Stelle zurück nach Hause und beginnen Sie noch einmal von vorn.»

Stille

Würde ich etwas anders machen, wenn ich umkehren und noch einmal von vorne beginnen müsste?

Eigentlich nicht. Ich verstehe mein Leben als Geschenk Gottes, mal gelingt es schlechter, mal besser und heiter. Ich bin zufrieden mit meinem Tag. Aufstehen und mich pflegen, frühstücken mit Partner, Vögel im Garten beobachten. Überlegen was heute ansteht. Haushalt in Ordnung bringen und an die Arbeit gehen.
Ich würde alles genauso machen, wenn ich noch einmal von vorne beginnen müsste.
 Alles, ausser einem kurzen Augenblick. Da würde ich mich der Stille des Tages hinhalten, für einen Augenblick…
Nichts tun
Nichts denken
Nichts wollen
Einfach da sein

Gesegnet der Tag
Gesegnet die Stille
Gesegnet das Sein

Quelle: aus der Reihe «Musik-Wort-Stille» von Hanna Kandal-Stierstadt, Pfarrerin, Reformierte Kirche Saatlen und Schwamendingen, www.saatlen-schwamendingen.ch
Brigitte Enzner-Probst, aus: «Guten Morgen lieber Morgen/Gute Nacht, liebe Nacht», 2006 Verlag am Eschbach